Die Geschichte einer Kuh, die anders sein wollte.

Autor: Jasmin am 7. April 2011 | Abgelegt in: Marken

Milka SchmunzelhaseWie jede Zeit des Jahres haftet auch dem Frühling etwas Besonderes an. Die ersten Frühblüher und Sonnenstrahlen locken uns ins Freie, die Grillsaison wurde schon eröffnet und vielerorts tragen junge Damen wieder kurze Röcke. Aber nicht nur lange Hosen, Stiefel, Schnee und die Granulatsteinchen, die jedes Frühjahr wieder auf magische Weise verschwunden zu sein scheinen, mussten weichen. Auch in den Supermärkten dieser Welt wurden Glühwein, Spekulatius und Schokoweihnachtsmänner von den Logenplätzen in den Regale in die hinterste Ecke der Läden verdrängt und machen nun Platz für schokoladene Hasen, gefüllte, leckere Eier und andere frühlingshaft österliche Naschereien.

Die Kuh als Werbestar

Da wundert es nicht weiter, dass auch die deutsche Werbeindustrie den Frühling schon eingeläutet hat und so bekommen derzeit Milka Kuh, Haribo Goldbär und die Herren aus der Lindt Chocolaterie hoppelnde Konkurrenz. Die lila Milka Kuh stört es wahrscheinlich nicht weiter, denn wenn man eine lila Kuh ist, hat man sicherlich auch ein dickes lila Fell. Zumindest muss sie das haben, denn sollte jemand herausfinden, dass die Milka Kuh in ihrem neuen TV-Spot ein wenig flunkert, wird sie sich sicherlich auf einiges gefasst machen müssen. Der Werbung nach wird sie als lila Kuh – ohne Talent in Mathe oder gar Schach geboren – und ist damit ein klarer Außenseiter unter den Kühen. :-)

 

Das ist so aber nicht ganz richtig, denn eigentlich kam die lila Kuh als eine ganz normale Kuh auf die Welt. Erst 1973 und damit 72 Jahre nach ihrer Geburt entschied sie sich für den Image-Wandel und die lila Farbe. Grund genug für uns einmal genauer nachzuforschen, was es mit der lila Farbe und Milka, dem Mutterkonzern der Kuh, auf sich hat.

Wie alles begann

Wie so viele Geschichten beginnt diese in Amerika dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Einem Land, in dem der 1797 geborene Schweizer Zuckerbäcker Philippe Suchard so gar keine Möglichkeiten hatte und deshalb nach Europa zurückkehrte. Ein Glück für uns, den sonst hätte der Schweizer vielleicht Arbeitshosen für Bergarbeiter erfunden, aber niemals seine leckere Milka Schokolade und die Kuh wäre heute nicht lila sondern immer noch schwarz-weiß.
Milka Logo
Aber anstatt in Amerika erfolgreich zu werden, eröffnete Phillippe Suchard 1825 seine eigene Confiserie in Neuenburg. Bei den Neuenburgern schienen seine Künste gefallen zu finden, denn bald baute er sein kleines Geschäft aus und kaufte im benachbarten Dorf Serriéres eine leer stehende Mühle und entwickelte eine eigene Technologie zur Schokoladenherstellung. So konnte er am Tag zwischen 20 und 30 kg Schokolade produzieren. Allerdings war Schokolade damals noch Zartbitter und nicht mit Milch versetzt. Erst 1890 stellte Suchard seine Revolution der Schokoladenherstellung – die Milchschokolade – vor. Ein Glück für uns, denn wäre er damals nicht auf die geniale Idee gekommen, leckere Schokolade mit frischer Alpenmilch zu mischen und zu noch leckerer Schokolade zu verarbeiten, dann hätten wir heute vielleicht noch immer nur Zartbitter- auch als Herrenschokolade bekannte- Schokolade, bräuchten eine Quotenregelung bei der Vergabe von Schokoladennamen und die die Kuh wäre heute nicht lila sondern immer noch schwarz weiß.

Leider erlebte der Milchschokoladen Pionier Philippe Suchard die Geburt der Milka Kuh 1901 nicht mehr. Er verstarb 1884 und gab damit sein junges Schokoladenunternehmen an seine vier Kinder weiter. 1901 wird der Markenname kreiert, der nicht etwa einen der vielen Götter der griechischen Antike als Namenspatron wählt, sondern schlicht und einfach Milch + Kakao zu MILKA zusammenfasst. Gemeinsam mit dem Firmennamen erblickt auch die Kuh das Licht der Welt.  Sie posiert zwar noch schwarz-weiß vor dem Alpenpanorama, die erste Milka Packung die sie ziert, ist aber schon Lila.

Als die Kuh lila wurde

1973 wagt die Milka Kuh den entscheidenden Schritt. Einen Schritt der ihr weiteres Leben maßgeblich prägen sollte. Sie zeigte sich erstmals in ihrer neuen lila Farbe und wurde damit schnell zum Publikumsliebling. Die Milka Kuh ist damit die einzig jemals in freier TV-Wildbahn beobachtete lila Kuh Simmenthaler Rasse. Ein Glück für uns, denn wäre die Kuh nie lila geworden, wäre sie wahrscheinlich nie so berühmt geworden und die einzig noch prominente Kuh im deutschen Fernsehen durch den Namen Paula gekennzeichnet.

Die legendäre Kuh
Milka und die Milka Kuh wurden sogar so beliebt, dass sie 1990 von Kraft Foods übernommen wurden. Die scheinen die Farbe Lila auch sehr zu mögen, denn sie ließen sich 2004 in einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts ihr Lila schützen. Heute darf kein anderer Schokoladenhersteller als Milka seine Schokolade in lila verpacken. Die lila Kuh ist mittlerweile so bekannt, dass 1995 in Bayern von 40.000 Kindern, die bei einem Wettbewerb eine Kuh ausmalen sollten, jedes dritte die Farbe Lila auswählte. Und wenn man in lila so bekannt ist, wie die lila Kuh, dann kann selbst der Schmunzelhase nur darüber schmunzeln, dass die Kuh ihre eigene Geburtsfarbe vergessen hat.


1 Kommentare für “Die Geschichte einer Kuh, die anders sein wollte.

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